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Broccoli für alle

Grund für diesen Blogeintrag ist ein, wie ich finde viel zu kurzer Artikel in der taz vom Freitag. Überschrift lautete „Keine Patente auf konventionelle Pflanzen“, was im Klartext bedeutet das sich niemand mehr das Recht auf ein „im wesentlichen biologisches Zuchtverfahren“ sichern kann/darf. Das zumindest hat das Europäische Patentamt (EPA) völlig überraschend bekannt gegeben. Anlass zum Verbot dieses Irrwitzes waren zwei bereits bestehende Patente auf konventionelle Gemüsesorten. Zum einen ein israelisches Patent auf eine wasserarme Tomate und zum anderen ein britisches Patent auf einen Broccoli der besonders viel einer krebshemmenden Substanz enthalten soll.

Für Agrochemiefirmen wie BASF, Syngenta oder der US-Konzern Monsanto (fand hier, zum Thema Stevia schon einmal Erwähnung), ist dies natürlich ein herber Rückschlag, hinsichtlich des Ziels große Teile der Ernährung unter ihre Kontrolle zu bringen.

Ein Patent auf, nehmen wir mal besagten Broccoli würde bedeuten, dass wenn Gemüsebauer Knollemeier diese rechtlich gesicherte Gemüsesorte anbaut, an entsprechenden Lizenzinhaber Gebühren abführen muss, ganz egal wie lange er diesen Broccoli schon anbaut. Ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass dieses Gemüse ohne jegliche Veränderung der genetischen Zusammensetzung einfach aus der Erde wächst und eigentlich jedem Menschen gehören sollte.

Über die einzelnen, bestehenden Patente wird nun vom EPA entschieden; ihre Aufhebung gilt als wahrscheinlich. Wer sich weitergehend für die Einflussnahme auf unsere Ernährung informieren will, ist eingeladen sich die Doku (siehe unten) anzusehen.

Die französische Investigativjournalistin Marie-Monique Robin setzte sich drei Jahre lang mit dem weltgrößten Gentechnik-Konzern Monsanto auseinander und fasste alles in der Doku „Mit Gift und Genen“ zusammen, welche 2008 erstmals auf arte ausgestrahlt wurde. Das dazu passende Buch erschien 2009 bei DVA und wurde in 15 Sprachen übersetzt.

Ich habe diese beeindruckende Dokumentation damals auf arte gesehen und empfehle jedem, mindestens denen die sie noch nicht kennen, sich das mal zu Gemüte zu führen. Es wird auf die Patente gentechnisch veränderter Anbauprodukte eingegangen. Stichwort Roundup, ein Pflanzenschutzmittel aus dem Hause Monsanto, was alles abtötet was Grün ist außer natürlich das manipulierte Saatgut des gleichen Herstellers, welches sich per Pollenflug auf umliegende, konventionell bebaute Felder verteilt. Lustig! Da wachsen zwischen dem Biogetreide von Bauer Rübezahl auf einmal Monsanto-Pflanzen. Rübezahl wird nicht beweisen können, dass er diese weder wünschte geschweige denn anbaute. Ende vom Lied ist, dass Rübezahl für die „Verwendung“ des patentierten Saatguts zur Kasse gebeten wird. Die äußerst bedenkliche Einflussnahme beschränkt sich keineswegs auf die Pflanzenwelt, es werden sich auch die Rechte an uralten Zuchtvieharten ergaunert. Und auch vor menschlichen Genen wird nicht halt gemacht.

Die Liste Lässt sich fortführen, aber ich denke die wundervolle Marie-Monique kann es besser als ich.

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